Verschwunden

Neues Deutschland: 18 September 2015

Personalie: Der laotische Bürgerrechtler Sombath Somphoneame ist seit 1000 Tagen verschwunden.

Sombath-Bamboo
Der laotische Bürgerrechtler Sombath Somphoneame ist seit 1000 Tagen verschwunden. Foto: privat

Seit nunmehr 1000 Tagen ist der laotische Bürgerrechtler Sombath Somphone verschwunden. »Die Regierung tut nichts zur Aufklärung dieses Verbrechens, das mitten in Vientiane geschehen ist und von einer Videoüberwachungsanlage aufgezeichnet wurde«, sagt seine Ehefrau Shui Meng Ng. Wie die Aufzeichnungen zeigen, war der Bürgerrechtler am 15. Dezember 2012 in Vientiane von Polizisten angehalten und fortgebracht worden. Seitdem fehlt von dem Träger des Ramon-Magsaysay-Preises – Asiens Äquivalent zum Nobelpreis – jede Spur. Die kommunistische Regierung verweigert sowohl gegenüber Somphones Gattin als auch gegenüber der UNO, der EU und internationalen Menschenrechtsorganisationen jegliche Auskunft über das Schicksal des Vertreters eines aufgeklärten Buddhismus.

Somphone wurde als ältestes von acht Geschwistern einer armen Bauernfamilie geboren. Dank eines Stipendiums studierte der heute 63-Jährige in den USA Landwirtschaft. Nach der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Laos 1975 kehrte Somphone in seine Heimat zurück. In seinem mit dem Segen von Partei und Regierung gegründeten Participatory Development Training Center machte er junge Menschen und Regierungsangestellte der unteren Verwaltungsebene mit der Entwicklung von Landwirtschaftsprojekten vertraut. Das Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen aus Europa und Asien (AEPF) pries ihn als eine der »einflussreichsten Stimmen für eine nachhaltige, am Menschen orientierte, gerechte wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Laos«.

Das war im Oktober 2012 auf der Tagung des AEPF in Vientiane. Zwei Monate später wurde Somphone entführt. Auch Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu bat Premier Thongsing Thammavong 2013 um Aufklärung. Sein Brief blieb unbeantwortet. In Laos ist es 1000 Tage nach dem Verschwinden von Somphone so, als habe er nie existiert. Laut Shui Meng Ng übten die Behörden »massiven Druck auf jeden aus, der den Namen meines Mannes auch nur erwähnt«. Es herrsche ein Klima der Angst.

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